Eimsbüttel in Hamburg: Das Wohnquartier ohne Wahrzeichen
Eimsbüttel in Hamburg: dichtes Gründerzeitquartier zwischen Osterstraße und Isebekkanal – Lage, Anbindung, Alltag und steigende Mieten.
Eimsbüttel besitzt keine Sehenswürdigkeit. Es gibt kein Museum von Rang, keinen Aussichtspunkt, keinen Platz, der auf Postkarten erscheint, und nichts, was man einem Besucher als Ziel nennen könnte. Trotzdem gehört der Stadtteil zu den begehrtesten Wohnlagen Hamburgs. Dieser Widerspruch ist der eigentliche Gegenstand: Eimsbüttel zeigt, wie viel Qualität in einem Quartier stecken kann, das nichts vorzuzeigen hat.
Ein Stadtteil und ein Bezirk
Zunächst eine Unterscheidung, die im Alltag ständig durcheinandergeht. Eimsbüttel ist zum einen ein einzelner Stadtteil nordwestlich der Innenstadt, zum anderen der Name eines der sieben Hamburger Bezirke. Zu diesem Bezirk gehören Stadtteile, die mit dem dichten Altbauquartier baulich wenig gemein haben, darunter Niendorf, Eidelstedt und Stellingen.
Gemeint ist im Sprachgebrauch fast immer der Stadtteil. Er grenzt im Osten an das Grindelviertel und an Harvestehude, im Nordosten an Hoheluft, im Süden an die Sternschanze und nach Westen an Stellingen. Die Ausdehnung ist überschaubar, die Bebauungsdichte hoch, und die Grenzen sind an mehreren Stellen nur für Ortskundige erkennbar.
Warum hier so viel Altbau steht
Der Stadtteil entstand in seiner heutigen Grundform im späten neunzehnten Jahrhundert, als Hamburg schnell wuchs und Wohnraum in großer Menge gebraucht wurde. Gebaut wurde in geschlossenen Blockrändern, vier- bis fünfgeschossig, mit Hinterhöfen und einem engmaschigen Straßennetz. Dieses Muster wiederholt sich über weite Strecken fast unverändert.
Teile Eimsbüttels wurden im Juli 1943 bei den Luftangriffen auf Hamburg getroffen, doch anders als in Barmbek blieben große zusammenhängende Bereiche der Altbausubstanz erhalten. Diese Kontinuität erklärt das heutige Straßenbild: geschlossene Fassadenreihen, überwiegend saniert, dazwischen einzelne Nachkriegsbauten, die Lücken füllen. Wer auf die Baukanten achtet, kann die Kriegsschäden ablesen, ohne dass sie im Ganzen dominieren.
Die Osterstraße
Das Rückgrat des Stadtteils ist die Osterstraße, die in Ost-West-Richtung hindurchführt. Sie ist Einkaufs- und Versorgungsachse zugleich und wurde in den vergangenen Jahren umgebaut, mit breiteren Gehwegen, verändertem Verkehrsregime und mehr Raum für Aufenthalt. Der Umbau war im Stadtteil umstritten, vor allem wegen der Auswirkungen auf Autoverkehr und Parkplätze.
Auffällig ist die Zusammensetzung der Erdgeschosse. Der Anteil kleinerer, inhabergeführter Betriebe ist im Vergleich zu klassischen Einkaufsstraßen hoch, Filialisten sind vorhanden, aber nicht bestimmend. Dazu kommt, dass über den Läden gewohnt wird, sodass die Straße auch außerhalb der Öffnungszeiten belebt bleibt. Genau diese Mischung ist es, die Eimsbüttel im Stadtvergleich funktionieren lässt.
Der Isebekkanal
Die wichtigste Freifläche des Stadtteils ist kein Park, sondern ein Wasserlauf. Der Isebekkanal verläuft am östlichen Rand und verbindet das Gebiet über das Kanalsystem mit der Alster. Seine begrünten Uferstreifen sind schmal, aber lang, und sie übernehmen die Funktion, für die im Inneren des Quartiers kein Platz mehr war.
Genutzt werden sie zum Spazieren, Laufen und Sitzen, im Sommer auch von Kanus und Ruderbooten auf dem Wasser. Über die Kanäle lässt sich von hier bis zur Außenalster und weiter bis nach Winterhude gelangen, ohne eine Hauptstraße zu queren. Für ein dicht bebautes Innenstadtquartier ist das ein erheblicher Vorteil, und es ist der Grund, warum die Uferzonen bei jeder Bebauungsdebatte zum Streitpunkt werden.
Wenig Park, viele Wege
Ansonsten ist Eimsbüttel grün nur in Ausschnitten. Es gibt mehrere kleinere Anlagen, darunter den Wehbers Park, dazu Schulhöfe, Spielplätze und begrünte Innenhöfe, aber keine große zusammenhängende Fläche. Der nächste ausgedehnte Park liegt außerhalb: Planten un Blomen am südöstlichen Rand, in Gehweite vom südlichen Teil des Stadtteils.
Ausgeglichen wird das durch die Kürze der Wege. Nahversorgung, Schulen, Ärzte und Kitas liegen im Regelfall in wenigen Minuten Entfernung, und der Radverkehr ist entsprechend stark. Diese Alltagsqualität ist der eigentliche Grund für die Beliebtheit, und sie ist zugleich schwer zu beschreiben, weil sie aus dem Fehlen von Umwegen besteht und nicht aus dem Vorhandensein von Attraktionen.
Was nebenan liegt
Östlich schließt das Grindelviertel an, das administrativ zu Rotherbaum und Harvestehude gehört. Es war vor 1933 ein Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg, und die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte, mit der zerstörten Synagoge am ehemaligen Bornplatz und mit den Fragen ihrer möglichen Wiedererrichtung, wird in der Stadt seit Jahren geführt.
Im selben Bereich stehen die Grindelhochhäuser, eine Gruppe von Wohnhochhäusern der frühen Nachkriegszeit, die städtebaulich einen scharfen Bruch mit der umgebenden Blockrandbebauung darstellen. Sie zählen zu den ersten Hochhausgruppen ihrer Art in Deutschland. Wer von Eimsbüttel nach Osten geht, wechselt innerhalb weniger Minuten von der Gründerzeit in die Nachkriegsmoderne und danach in das Universitätsviertel.
Der Preis der Beliebtheit
Die Kehrseite ist bekannt und wird im Stadtteil deutlich benannt. Eimsbüttel zählt inzwischen zu den teureren Wohnlagen Hamburgs, der Mietanstieg der vergangenen Jahre war erheblich, und die Zusammensetzung der Bewohnerschaft hat sich entsprechend verschoben. Wer hier seit Langem wohnt, hat oft einen alten Vertrag; wer neu sucht, zahlt ein Vielfaches.
Das trifft nicht nur Wohnungen. Auch für die kleinen Betriebe in den Erdgeschossen steigen die Gewerbemieten, und genau die Kleinteiligkeit, die den Stadtteil ausmacht, ist dadurch am stärksten gefährdet. Ähnliche Prozesse laufen in Eppendorf und in Ottensen seit Längerem, mit dem Unterschied, dass Eimsbüttel bis vor wenigen Jahren als vergleichsweise unaufgeregt galt.
Verkehr und Erreichbarkeit
Erschlossen wird der Stadtteil vor allem durch die U-Bahn-Linie U2, die ihn mit mehreren Haltestellen durchquert und direkt zum Hauptbahnhof und zum Jungfernstieg führt. Am östlichen Rand liegt die U3 mit der Station Hoheluftbrücke. Dazu kommen dichte Buslinien und ein Straßennetz, das für den Radverkehr in weiten Teilen gut nutzbar ist.
Belastend sind die großen Durchgangsachsen, die den Stadtteil queren und erheblichen Verkehr aufnehmen. Sie zerschneiden das Quartier an mehreren Stellen und sorgen für Lärm in den angrenzenden Wohnstraßen. Wer Eimsbüttel begehen will, sollte deshalb nicht den Hauptstraßen folgen, sondern das Netz der Nebenstraßen dahinter nehmen, in dem der Stadtteil tatsächlich stattfindet. Alle weiteren Viertel stehen im Quartiere-Register.
Häufige Fragen
Wo liegt Eimsbüttel in Hamburg?
Eimsbüttel liegt nordwestlich der Innenstadt, zwischen Hoheluft im Nordosten, Harvestehude und dem Grindelviertel im Osten sowie der Sternschanze im Süden. Der Isebekkanal bildet auf einem Teil der Ostgrenze eine deutliche Zäsur. Nach Westen schließen Stellingen und Lokstedt an, womit der dicht bebaute Teil des Bezirks endet.
Ist Eimsbüttel ein Stadtteil oder ein Bezirk?
Beides, und das führt regelmäßig zu Verwechslungen. Eimsbüttel ist zum einen ein einzelner Stadtteil, zum anderen der Name eines von sieben Hamburger Bezirken, zu dem auch Stellingen, Niendorf, Eidelstedt und weitere Stadtteile gehören. Im Alltag ist meist der Stadtteil gemeint.
Wie kommt man nach Eimsbüttel?
Die U-Bahn-Linie U2 durchquert den Stadtteil mit mehreren Haltestellen und verbindet ihn direkt mit dem Hauptbahnhof und dem Jungfernstieg. Am östlichen Rand liegt die U3 mit der Station Hoheluftbrücke. Zusätzlich erschließen dichte Buslinien das Viertel, und für den Radverkehr sind die Wege kurz.
Was ist die Osterstraße?
Die Osterstraße ist die zentrale Einkaufs- und Versorgungsachse Eimsbüttels und verläuft in Ost-West-Richtung durch den Stadtteil. Sie wurde in den vergangenen Jahren umgebaut, mit breiteren Gehwegen und verändertem Verkehrsregime. Der Anteil kleinerer, inhabergeführter Betriebe ist im Vergleich zu klassischen Einkaufsstraßen hoch.
Warum steht in Eimsbüttel so viel Gründerzeitbebauung?
Weil der Stadtteil im späten neunzehnten Jahrhundert in kurzer Zeit als Wohngebiet für die wachsende Stadt bebaut wurde, überwiegend in geschlossenen Blockrändern. Teile Eimsbüttels wurden im Juli 1943 getroffen, große zusammenhängende Bereiche der Altbausubstanz blieben jedoch erhalten und prägen den Stadtteil bis heute.
Ist Eimsbüttel teuer?
Ja, der Stadtteil zählt inzwischen zu den teureren Wohnlagen Hamburgs. Ausschlaggebend sind die zentrale Lage, der Altbaubestand und die sehr gute Nahversorgung. Der Anstieg der vergangenen Jahre war deutlich, und die Verdrängung langjähriger Mieter ist ein wiederkehrendes Thema im Stadtteil.
Was ist der Isebekkanal?
Der Isebekkanal verläuft am östlichen Rand Eimsbüttels und verbindet den Bereich über das Kanalsystem mit der Alster. Die begrünten Uferstreifen sind eine der wichtigsten Freiflächen des dicht bebauten Quartiers und werden zum Spazieren, Laufen und Aufenthalt genutzt. Über die Kanäle besteht eine durchgehende Verbindung bis zur Außenalster.
Gibt es in Eimsbüttel Grünflächen?
Der Stadtteil ist dicht bebaut und verfügt über vergleichsweise wenig Park. Vorhanden sind mehrere kleinere Anlagen, darunter der Wehbers Park, sowie die Uferzonen am Isebekkanal. In Gehweite liegt zudem Planten un Blomen am südöstlichen Rand des Bezirks. Für größere Parkanlagen muss man den Stadtteil verlassen.
Was ist das Grindelviertel?
Das Grindelviertel liegt östlich angrenzend in Rotherbaum und Harvestehude und war vor 1933 ein Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. Dort stehen auch die Grindelhochhäuser, eine der frühen deutschen Hochhausgruppen der Nachkriegszeit, sowie große Teile der Universität Hamburg. Der Übergang von Eimsbüttel dorthin ist zu Fuß kurz.
Lohnt sich Eimsbüttel für Besucher?
Wer klassische Sehenswürdigkeiten sucht, wird hier nicht fündig, denn der Stadtteil hat keine. Interessant ist er als Beispiel für ein funktionierendes, dicht bebautes Wohnquartier mit kurzen Wegen. Für einen Nachmittag zwischen Osterstraße und Isebekkanal reicht das gut aus, besonders als Kontrast zu den stärker besuchten Vierteln im Süden.