Wahrzeichen · Hamburg

Das Hamburger Rathaus: Bau, Führungen und Rathausmarkt

Das Hamburger Rathaus: Neorenaissance-Bau von 1897, Sitz von Bürgerschaft und Senat, Hygieia-Brunnen und Rathausmarkt – Besuch und Geschichte.

Aktualisiert 3. Jun 2026 · Redaktion Komm du
Fassade des Hamburger Rathauses am Rathausmarkt

Das Hamburger Rathaus ist ein Gebäude, das seine Botschaft nicht verbirgt. Neorenaissance, reich gegliederte Sandsteinfassade, ein Turm von rund 112 Metern, Standbilder deutscher Kaiser über dem Eingang – 1897 fertiggestellt, in einer Zeit, in der Repräsentation als Selbstverständlichkeit galt. Wer verstehen will, wie sich eine Handelsstadt am Ende des neunzehnten Jahrhunderts sehen wollte, findet die Antwort an dieser Fassade.

Ein Neubau nach fünfzig Jahren

Der Vorgängerbau ging beim Großen Brand von 1842 verloren, der weite Teile der Hamburger Innenstadt zerstörte. Bis zur Fertigstellung des heutigen Rathauses vergingen mehr als fünf Jahrzehnte – eine ungewöhnlich lange Zeit, in der um Standort, Entwurf und Kosten gerungen wurde.

Das Ergebnis dieser langen Vorlaufzeit ist ein Bau, der die Stadt in einem sehr bestimmten Moment abbildet: nach dem wirtschaftlichen Aufstieg des Kaiserreichs, mit dem Selbstbewusstsein einer Stadt, die soeben in den deutschen Zollverein eingetreten war und ihren Freihafen ausgebaut hatte. Zurückhaltung war nicht das Ziel.

Auf Pfählen gegründet

Der Untergrund am Rand des ehemaligen Alsterbeckens trägt einen Bau dieser Größe nicht von selbst. Das Rathaus steht deshalb auf Tausenden von Eichenpfählen, die in den weichen Boden getrieben wurden – ein Verfahren, das in Hamburg verbreitet ist und auch bei anderen großen Bauwerken der Stadt angewandt wurde.

Diese Gründung ist unsichtbar und für das Verständnis der Stadt dennoch aufschlussreich. Hamburg ist auf Marsch und Geest gebaut, auf Wasser und weichem Grund, und ein erheblicher Teil seiner Bauleistung liegt unter der Oberfläche. Die Elbphilharmonie steht auf demselben Prinzip, nur mit anderen Mitteln – nachzulesen auf der Seite zur Elbphilharmonie.

Bürgerschaft und Senat

Eine Besonderheit, die von außen nicht zu sehen ist: Das Rathaus beherbergt sowohl die Hamburgische Bürgerschaft, also das Landesparlament, als auch den Senat, die Landesregierung. Beide Verfassungsorgane unter einem Dach zu haben, ist unter den deutschen Ländern ungewöhnlich.

Der Bau ist deshalb kein Museum, sondern ein arbeitendes Regierungsgebäude. Das hat praktische Folgen für den Besuch: An Sitzungstagen kann der Zugang eingeschränkt sein, und die Führungen richten sich nach dem Betrieb. Wer die repräsentativen Säle sehen will, informiert sich vorab über Termine.

Der Innenhof und die Cholera

Der Innenhof ist der stillste Teil des Gebäudes und beherbergt den Hygieia-Brunnen, benannt nach der griechischen Göttin der Gesundheit. Er ist kein dekoratives Beiwerk, sondern ein Denkmal: Er erinnert an die Choleraepidemie von 1892, die in Hamburg Tausende Todesopfer forderte.

Die Epidemie war ein Einschnitt in der Stadtgeschichte. Sie legte die Mängel der Wasserversorgung offen und führte zu deren grundlegender Erneuerung sowie zu erheblichen Eingriffen in die Wohnverhältnisse der Altstadt. Dass die Stadt dieses Ereignis im Hof ihres neuen Rathauses festhielt, während sie an der Fassade Kaiser aufstellte, sagt etwas über das Selbstverständnis der Zeit – und macht den Innenhof zum aufschlussreichsten Teil des Gebäudes.

Der Rathausmarkt

Vor dem Gebäude liegt der Rathausmarkt, der zugleich als Veranstaltungsfläche dient und an die Kleine Alster grenzt. Diese Öffnung zum Wasser war beabsichtigt: Der Platz sollte nicht nur Vorfeld des Rathauses sein, sondern Teil einer Abfolge von Räumen, die vom Wasser in die Stadt führt.

Für Besucher ist der Platz der beste Ausgangspunkt für die Innenstadt. Von hier sind die Alsterarkaden, die Innenstadt-Einkaufsstraßen und der Weg zur Speicherstadt jeweils wenige Minuten entfernt.

Die Fassade lesen

An der Fassade lohnt ein genauerer Blick, weil sie ein Programm hat. Über dem Eingang stehen Standbilder deutscher Kaiser, darüber setzt sich die Ordnung in Allegorien und Wappen fort – ein Repräsentationsschema, das die Stadt in einen größeren Zusammenhang stellt.

Bemerkenswert ist dabei die Doppelbotschaft. Hamburg war und ist eine Freie und Hansestadt mit ausgeprägtem Stolz auf die eigene Unabhängigkeit; zugleich wurde das Rathaus in einer Zeit gebaut, in der die Stadt in das Deutsche Reich eingebunden war und diese Einbindung auch darstellen wollte. Die Kaiser an der Fassade und der republikanische Anspruch im Inneren stehen in einem Verhältnis, das die Zeitgenossen offenbar nicht als Widerspruch empfanden.

Wer das Gebäude nur als repräsentativ abtut, übersieht diese Spannung – und mit ihr den interessantesten Teil seiner Aussage.

Für den Besuch

Die Eingangshalle ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich und lohnt schon für sich. Die repräsentativen Säle sind im Rahmen von Führungen zu sehen; Termine, Verfügbarkeit und Konditionen regelt die Bürgerschaft und können sich ändern.

Der Turm ist nicht öffentlich besteigbar. Wer einen Blick über die Stadt sucht, findet ihn auf dem Michel wenige Gehminuten entfernt. Weitere Ziele stehen in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten.

Häufige Fragen

Kann man das Hamburger Rathaus besichtigen?

Ja. Die Eingangshalle ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich, die repräsentativen Säle sind im Rahmen von Führungen zu sehen. Termine und Verfügbarkeit regelt die Bürgerschaft; an Sitzungstagen kann der Zugang eingeschränkt sein.

Wann wurde das Rathaus gebaut?

Es wurde 1897 fertiggestellt, nachdem der Vorgängerbau beim Großen Brand von 1842 verloren gegangen war. Zwischen Zerstörung und Neubau lagen mehr als fünf Jahrzehnte, in denen um Standort und Entwurf gerungen wurde.

Wer sitzt im Hamburger Rathaus?

Das Rathaus beherbergt sowohl die Hamburgische Bürgerschaft, also das Landesparlament, als auch den Senat, die Landesregierung. Beide unter einem Dach zu haben, ist unter den deutschen Ländern ungewöhnlich.

Wie ist das Rathaus gegründet?

Auf Tausenden von Eichenpfählen, die in den weichen Untergrund getrieben wurden. Der Baugrund am Rand des ehemaligen Alsterbeckens trägt nicht ohne diese Pfahlgründung – ein in Hamburg verbreitetes Verfahren, das auch bei anderen großen Bauten der Stadt angewandt wurde.

Was ist der Hygieia-Brunnen?

Ein Brunnen im Innenhof des Rathauses, dessen Figur die griechische Göttin der Gesundheit darstellt. Er erinnert an die Choleraepidemie von 1892, die in Hamburg Tausende Todesopfer forderte und zu einer grundlegenden Erneuerung der Wasserversorgung führte.

Wie hoch ist der Rathausturm?

Der Turm misst rund 112 Meter. Er ist nicht öffentlich besteigbar, prägt aber die Silhouette der Innenstadt und ist von vielen Punkten der Stadt aus sichtbar.

In welchem Stil ist das Rathaus gebaut?

In der Neorenaissance, mit Anleihen an norddeutsche und niederländische Vorbilder. Die reiche Fassadengliederung, die Sandsteinornamentik und die Standbilder deutscher Kaiser gehören zum Repräsentationsprogramm des späten neunzehnten Jahrhunderts.

Was ist der Rathausmarkt?

Der Platz vor dem Rathaus, der zugleich als Veranstaltungsfläche dient. Er grenzt an die Kleine Alster und öffnet sich damit zum Wasser – eine Anordnung, die zum Zeitpunkt der Planung ausdrücklich beabsichtigt war.

Ist der Besuch kostenlos?

Die Eingangshalle ist frei zugänglich. Für die Führungen durch die repräsentativen Räume wird in der Regel ein Entgelt erhoben; die aktuellen Konditionen nennt die Bürgerschaft.

Wie viele Räume hat das Rathaus?

Verbreitet ist die Angabe von mehreren hundert Räumen, häufig genannt wird eine Zahl über sechshundert. Solche Zählungen hängen davon ab, was als eigener Raum gilt; verlässlich ist vor allem, dass der Bau erheblich größer ist, als die Fassade vermuten lässt.