Der Hamburger Fischmarkt: Sonntagmorgen an der Elbe
Der Hamburger Fischmarkt in Altona: Sonntagmorgen an der Elbe, Marktschreier, die Fischauktionshalle von 1896 und was man über den Besuch wissen sollte.
Der Hamburger Fischmarkt ist die einzige Einrichtung der Stadt, bei der sich sonntags um sechs Uhr morgens am Elbufer zwei völlig verschiedene Bevölkerungsgruppen begegnen: diejenigen, die aufgestanden sind, und diejenigen, die noch nicht ins Bett gegangen sind. Dass beide Gruppen dasselbe Fischbrötchen kaufen, gehört zu den zuverlässigsten Beobachtungen, die man in Hamburg machen kann.
Ein Markt aus Altona
Der Markt geht auf das frühe achtzehnte Jahrhundert zurück, und er war ursprünglich kein Hamburger, sondern ein Altonaer Markt – zu einer Zeit, als Altona eine eigenständige Stadt unter dänischer Krone war und Hamburg gegenüber im Wettbewerb stand. Diese Konkurrenz war der eigentliche Anlass: Altona erlaubte den Sonntagshandel, Hamburg nicht.
Der Markt musste allerdings beendet sein, bevor der Gottesdienst begann. Aus dieser Auflage stammt die frühe Marktzeit, die bis heute gilt – ein Beispiel dafür, wie eine kirchliche Regelung des achtzehnten Jahrhunderts den Rhythmus einer Stadt bis in die Gegenwart bestimmt.
Die Geschichte Altonas als eigene Stadt beschreibt die Seite zu Altona ausführlicher.
Was verkauft wird
Fisch ist längst nur noch ein Teil des Angebots. Obst, Gemüse, Pflanzen, Blumen, Haushaltswaren, Textilien – der Markt ist über die Jahrhunderte weit über sein ursprüngliches Sortiment hinausgewachsen, und an manchen Ständen ist der Fisch die Ausnahme.
Die eigentliche Attraktion sind ohnehin nicht die Waren, sondern die Marktschreier. Ihre lautstarke, eingeübte Verkaufsrhetorik – mit steigenden Mengen, sinkenden Preisen und einer Dramaturgie, die auf den Zuschlag hinarbeitet – ist eine eigene Vortragsform. Für einen erheblichen Teil des Publikums ist sie der Grund zu kommen; gekauft wird eher nebenbei.
Die Fischauktionshalle
Am Elbufer steht die Fischauktionshalle, ein Backsteinbau aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, ursprünglich für die Versteigerung von Fisch errichtet. Der Zweck ist verschwunden, das Gebäude nicht: Heute wird es für Veranstaltungen genutzt, und während der Marktzeiten spielt dort in der Regel Live-Musik.
Damit ist die Halle das dritte Element des Sonntagmorgens, neben Markt und Wasser – und ein weiteres Beispiel für die Umnutzung von Zweckbauten, die sich in Hamburg an vielen Stellen findet, von der Speicherstadt bis zu den Fabrikhöfen in Ottensen.
Die Zeiten
Der Markt findet jeden Sonntag am frühen Morgen statt und endet am Vormittag. Im Sommerhalbjahr beginnt er früher als im Winterhalbjahr. Die genauen Zeiten geben die Marktbetreiber der Stadt bekannt und unterscheiden sich saisonal – wer eine weite Anreise hat, prüft sie vorab.
Ein praktischer Hinweis zum Zeitpunkt innerhalb der Marktzeit: In den ersten Stunden ist der Betrieb am dichtesten und die Stimmung am lautesten. Gegen Ende wird es ruhiger, und die Händler senken die Preise, um Restbestände loszuwerden – für Käufer die interessanteste, für Zuschauer die entspannteste Phase.
Wer dort ist
Das Publikum ist eine Hamburger Besonderheit. Ein Teil kommt gezielt zum Einkaufen, ein Teil als Ausflug, und ein Teil direkt aus dem Nachtleben von St. Pauli, das unmittelbar benachbart liegt. Diese Mischung erklärt die Atmosphäre in den frühen Stunden – und den Rat, mit Kindern eher gegen Ende der Marktzeit zu kommen.
Bei gutem Wetter ist der Markt sehr voll, besonders im Sommer und an langen Wochenenden. Wer es ruhiger mag, kommt bei schlechtem Wetter oder im Winterhalbjahr; stattfinden tut er ganzjährig.
Der Markt als Rest einer Hafenstadt
Es lohnt, sich klarzumachen, was der Fischmarkt eigentlich überlebt hat. Der Fischhandel, für den er gegründet wurde, hat Hamburg als Wirtschaftszweig weitgehend verlassen; die Anlandungen, die Auktionen und die dazugehörige Verarbeitung sind längst anderswo oder gar nicht mehr.
Geblieben ist die Form. Ein Markt, der aus einer Konkurrenz zweier Städte entstand, der sich nach einer kirchlichen Auflage richtete und der einem Gewerbe diente, das es so nicht mehr gibt – und der trotzdem jeden Sonntag stattfindet, inzwischen getragen von Besuchern statt von Hausfrauen der Nachbarschaft.
Das ist keine Kritik, sondern eine Beobachtung, die den Markt interessanter macht. Er ist einer der wenigen Orte, an denen sich die Hafenstadt des neunzehnten Jahrhunderts nicht als Museum, sondern als laufender Betrieb erhalten hat – auch wenn der Betrieb heute etwas anderes bedeutet als damals.
Rundherum
Der Markt liegt am Elbufer zwischen den Landungsbrücken und Altona, sodass sich der Besuch gut verlängern lässt: nach Osten in Richtung Hafen und Speicherstadt, nach Westen am Wasser entlang bis Övelgönne und weiter.
Wer schon um sechs auf den Beinen war, hat den Vormittag ohnehin noch vor sich. Weitere Ziele stehen in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten.
Häufige Fragen
Wann findet der Hamburger Fischmarkt statt?
Jeden Sonntag am frühen Morgen; im Sommerhalbjahr beginnt er früher als im Winterhalbjahr und endet am Vormittag. Die genauen Zeiten geben die Marktbetreiber der Stadt bekannt und unterscheiden sich saisonal – ein Blick vorab lohnt sich.
Wo ist der Fischmarkt?
Am Elbufer im Bereich Altona-Altstadt und St. Pauli, unmittelbar am Wasser zwischen den Landungsbrücken und Altona. Die nächsten Schnellbahnhaltestellen liegen in Gehweite; sonntagmorgens verkehren zudem Nachtbusse.
Gibt es dort nur Fisch?
Nein. Neben Fisch werden Obst, Gemüse, Pflanzen, Blumen, Haushaltswaren und allerlei anderes angeboten. Der Markt ist über die Jahrhunderte weit über sein ursprüngliches Sortiment hinausgewachsen.
Was ist die Fischauktionshalle?
Ein Backsteinbau am Elbufer aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, ursprünglich für die Versteigerung von Fisch errichtet. Heute wird sie für Veranstaltungen genutzt; während der Marktzeiten spielt dort in der Regel Live-Musik.
Seit wann gibt es den Fischmarkt?
Der Markt geht auf das frühe achtzehnte Jahrhundert zurück und war ursprünglich ein Altonaer Markt – zu einer Zeit, als Altona noch nicht zu Hamburg gehörte. Er zählt damit zu den ältesten durchgehend bestehenden Einrichtungen der Stadt.
Wer sind die Marktschreier?
Händler, die ihre Ware lautstark und mit einer eingeübten Verkaufsrhetorik anpreisen. Diese Vortragsform gehört fest zum Markt und ist für viele Besucher der eigentliche Grund zu kommen.
Warum ist der Fischmarkt so früh?
Weil er historisch dem Verkauf des frisch angelandeten Fangs diente, bevor der sonntägliche Gottesdienst begann – der Markt musste zu dessen Beginn beendet sein. Diese Regelung hat die frühe Marktzeit bis heute geprägt.
Lohnt sich der Besuch mit Kindern?
Tagsüber am späteren Ende der Marktzeit ja, wenn es ruhiger wird. In den frühen Morgenstunden ist der Betrieb sehr dicht, und ein Teil des Publikums kommt direkt aus dem Nachtleben von St. Pauli.
Kann man dort frühstücken?
Ja, es gibt zahlreiche Stände mit Fischbrötchen und anderen Angeboten, dazu Gastronomie in der Umgebung. Ein Fischbrötchen am Wasser gehört für viele Besucher zum festen Programm des Marktbesuchs.
Wie voll ist es?
Bei gutem Wetter sehr voll, besonders im Sommer und an langen Wochenenden. Wer es ruhiger mag, kommt bei schlechtem Wetter oder im Winterhalbjahr – der Markt findet ganzjährig statt.