Hamburg bei Regen: Was drinnen offen bleibt
Hamburg bei Regen: Museen der Kunstmeile, Innenstadt-Passagen, Speicherstadt-Hallen, Alter Elbtunnel und Gewächshäuser – ein Überblick nach Art des Ziels.
Regen ist in Hamburg kein Ausnahmezustand, sondern eine Häufigkeit. Die Stadt liegt in einem Klima mit über das Jahr verteilten Niederschlägen, und es gibt keine Saison, in der sich ein Aufenthalt zuverlässig trocken planen ließe. Wer entsprechend plant, verliert dadurch wenig, denn ein erheblicher Teil dessen, was Hamburg zu bieten hat, findet ohnehin unter Dach statt. Die folgende Übersicht ist nach Art des Ziels sortiert, nicht nach Stadtteil, weil bei Dauerregen die Frage zählt, wie lange man am Stück drinnen bleiben kann.
Die Museen liegen dichter beieinander, als es scheint
Der größte Vorteil bei schlechtem Wetter ist die Konzentration der Häuser. Rund um den Hauptbahnhof liegen mehrere große Museen in Gehweite zueinander: die Kunsthalle mit ihren Altbau- und Neubauteilen nördlich des Bahnhofs, das Museum für Kunst und Gewerbe unmittelbar südlich davon und die Deichtorhallen, zwei ehemalige Markthallen, in denen zeitgenössische Kunst und Fotografie gezeigt werden. Wer zwischen diesen Häusern wechselt, ist jeweils nur wenige Minuten im Freien.
Weitere Sammlungen verteilen sich über die Stadt. In der HafenCity liegt ein maritimes Museum in einem alten Kaispeicher, an der Rothenbaumchaussee ein völkerkundliches Haus, am Alten Wall nahe dem Rathaus ein Ausstellungshaus für wechselnde Präsentationen. Eine geordnete Übersicht der Häuser steht unter Museen.
Die praktische Einschränkung ist die Aufnahmefähigkeit. Ein Regentag reicht für zwei Häuser mit Ruhe oder für vier mit Hetze, und die zweite Variante lohnt sich nicht. Wer einen zweiten schlechten Tag vor sich hat, teilt besser auf.
Passagen und Arkaden
Die Hamburger Innenstadt hat eine Eigenheit, die in dieser Ausprägung selten ist: eine fast durchgehende Kette überdachter Durchgänge zwischen Rathausmarkt und Gänsemarkt. Sie besteht aus Ladenpassagen unterschiedlicher Bauzeiten, die durch Blöcke geführt und an den Enden miteinander verbunden sind. Einzelne Straßenübergänge bleiben unter freiem Himmel, aber der überwiegende Teil des Weges lässt sich geschützt zurücklegen.
Der bekannteste Abschnitt sind die Alsterarkaden am Alsterfleet, ein Bogengang aus dem neunzehnten Jahrhundert unmittelbar neben dem Rathausmarkt. Von dort führen mehrere Zugänge in ältere und neuere Passagen, darunter die älteste erhaltene Anlage dieser Art in der Stadt. Wer die Passagen nicht als Einkaufsziel, sondern als Verbindungssystem betrachtet, kann einen erheblichen Teil der Innenstadt trocken durchqueren, einschließlich des Rathauses, dessen Innenhof zugänglich ist und dessen Innenräume mit Führungen besichtigt werden können.
Hallen am Wasser
Die Speicherstadt ist bei Regen zweischneidig. Die Straßen und Fleetkanten sind ungeschützt, die Gebäude dagegen bieten einige der meistbesuchten Innenräume der Stadt. In den Speicherblöcken liegen unter anderem eine sehr große Modelleisenbahnanlage, ein Museum zur Geschichte des Quartiers selbst und mehrere kleinere Ausstellungen zu einzelnen Handelsgütern. Hintergründe zum Bauensemble stehen unter Speicherstadt.
Der Nachteil ist absehbar: An verregneten Wochenenden sind genau diese Häuser voll, weil alle dieselbe Überlegung anstellen. Wer flexibel ist, geht früh oder wählt einen Wochentag. Wer weder das eine noch das andere kann, sollte die Wartezeit einkalkulieren statt sich über sie zu ärgern.
Wege, die überdacht sind
Zwei Verbindungen sind selbst Sehenswürdigkeit und Schutz zugleich. Der Fußgängertunnel unter der Elbe, erschlossen über Schächte an den Landungsbrücken und am gegenüberliegenden Ufer, führt vollständig unter Dach unter dem Strom hindurch; er wird seit Jahren abschnittsweise saniert, weshalb sich Zugänge zeitweise ändern. Und die Fähren des öffentlichen Nahverkehrs, die mit dem regulären Fahrschein genutzt werden können, haben ein geschlossenes Deck und fahren feste Linien durch den Hafen. Sie zeigen dasselbe wie eine Rundfahrt, ohne dass man im Regen an Deck stehen muss.
Auch der Hauptbahnhof selbst gehört in diese Kategorie. Seine große Halle ist ein Bauwerk des späten neunzehnten Jahrhunderts und einer der wenigen Orte, an denen sich in Hamburg überdacht aufhalten lässt, ohne dass ein Eintritt oder ein Konsumzwang damit verbunden wäre. Zur Elbphilharmonie gilt eine Einschränkung: Die öffentlich zugängliche Ebene hat einen umlaufenden Außengang, der bei Wind und Regen wenig Freude macht, und einen verglasten Innenbereich, der besser funktioniert. Bei tiefer Wolkendecke ist die Aussicht ohnehin begrenzt.
Grün und Wasser unter Dach
Drei Orte in der Stadt zeigen Pflanzen in beheizten Häusern. Im Grünzug von Planten un Blomen stehen mitten in der Innenstadt Schaugewächshäuser mit tropischen und subtropischen Beständen. Im Westen der Stadt unterhält die Universität einen botanischen Garten mit vergleichbaren Anlagen, und im Nordwesten gehört ein großes Tropenhaus zum Tierpark. Alle drei sind unabhängig vom Wetter und wirken bei Regen paradoxerweise besser als bei Sonne, weil der Kontrast größer ist.
Die zweite Möglichkeit, Wasser mit Wasser zu beantworten, sind die Schwimmhallen. Hamburg hat mehrere große Bäder, darunter eine Halle östlich der Außenalster, deren Betondach zu den bekanntesten Bauten der Siebzigerjahre in der Stadt gehört, und eine neuere Anlage im Inselpark auf der Elbinsel. Weitere Hallenbäder verteilen sich über die Bezirke.
Lesen und Hören
Für lange Regentage sind Bibliotheken und Säle die verlässlichste Lösung. Die Zentralbibliothek der öffentlichen Bücherhallen liegt in Bahnhofsnähe, ist ohne Ausweis zum Lesen vor Ort nutzbar und hat Arbeits- und Sitzbereiche über mehrere Ebenen. Die Universitätsbibliothek im Grindelviertel ist ähnlich organisiert.
Abends übernehmen die Häuser. Neben der Elbphilharmonie bespielt die Laeiszhalle in der Neustadt das klassische Programm, dazu kommen mehrere große Sprechbühnen in der Innenstadt und ein Produktionshaus für freie darstellende Künste im Norden der Stadt. Das laufende Programm steht unter Theater.
Was bei Regen nicht funktioniert
Ehrlicherweise fällt einiges aus. Die Landungsbrücken, das Elbufer, die Aussichtspunkte und der Markt am Hafen sind bei anhaltendem Regen unangenehm, und Rundfahrten auf offenen Booten sind es ebenfalls. Hinzu kommt der Wind, der in Ufernähe stark genug ist, um Regenschirme regelmäßig unbrauchbar zu machen. Eine wetterfeste Jacke mit Kapuze ist in Hamburg die praktischere Ausrüstung, und das ist keine Redensart, sondern die Erfahrung jedes zweiten Besuchstages.
Wer den Regen nicht umgehen, sondern aussitzen will, findet die kürzeste Strecke zwischen zwei Dächern in der Innenstadt. Wer ihn ignorieren will, geht durch den Tunnel unter die Elbe und kommt auf der anderen Seite heraus, wo der Blick auf die Stadt bei jedem Wetter derselbe bleibt. Die Viertel selbst stehen im Quartiere-Register.
Häufige Fragen
Was kann man in Hamburg bei Regen machen?
Am verlässlichsten sind die großen Museen, die Innenstadt-Passagen, die Ausstellungshäuser der Speicherstadt und die Konzert- und Theatersäle. Dazu kommen weniger offensichtliche Möglichkeiten: der Fußgängertunnel unter der Elbe, die Hafenfähren des Nahverkehrs mit geschlossenem Deck und die Schaugewächshäuser der botanischen Anlagen.
Welche Museen eignen sich für einen Regentag?
Rund um den Hauptbahnhof liegen mehrere große Häuser in Gehweite zueinander, darunter die Kunsthalle, das Museum für Kunst und Gewerbe und die Deichtorhallen. Weitere Sammlungen finden sich in der HafenCity, in der Speicherstadt und an der Rothenbaumchaussee. Ein einzelner Regentag reicht für zwei Häuser, nicht für fünf.
Kann man in Hamburg trocken durch die Innenstadt kommen?
Über weite Strecken ja. Zwischen Rathausmarkt und Gänsemarkt verbindet eine Kette von Passagen und Arkaden mehrere Blöcke miteinander, sodass sich der Weg fast durchgehend überdacht zurücklegen lässt. Vollständig lückenlos ist die Verbindung nicht; einzelne Straßenübergänge bleiben unter freiem Himmel. Wer die Passagen als Wegenetz statt als Einkaufsziel nutzt, kommt damit trotzdem weitgehend trocken durch die halbe Innenstadt.
Was sind die Alsterarkaden?
Ein überdachter Bogengang am Alsterfleet unmittelbar neben dem Rathausmarkt, angelegt im neunzehnten Jahrhundert nach dem Wiederaufbau der Altstadt. Die Arkaden gehören zu den bekanntesten Bauten der Hamburger Innenstadt und sind der klassische Ort, an dem sich bei plötzlichem Regen der Fußgängerverkehr sammelt.
Ist der Alte Elbtunnel bei Regen zugänglich?
Der Fußgängertunnel unter der Elbe wird seit Jahren abschnittsweise saniert, weshalb sich der Zugang zeitweise ändert. Grundsätzlich lässt sich der Fluss dort zu Fuß unterqueren, mit den Schächten an den Landungsbrücken und am Steinwerder Ufer. Der Weg selbst ist vollständig überdacht und für Fußgänger kostenfrei.
Kann man den Hafen auch bei Regen ansehen?
Ja, über die Fähren des öffentlichen Nahverkehrs, die mit dem regulären Fahrschein genutzt werden können und ein geschlossenes Deck haben. Sie fahren feste Linien im Hafen und geben denselben Blick frei wie eine Rundfahrt, ohne dass man an Deck stehen muss.
Gibt es in Hamburg überdachte Märkte?
Wenige, aber es gibt sie. Am Fischmarkt steht eine große historische Auktionshalle, und der Markt in Eppendorf verläuft unter dem Viadukt der Hochbahn und ist dadurch über weite Strecken geschützt. Die übrigen Wochenmärkte der Stadt finden unter freiem Himmel statt.
Wo findet man in Hamburg Grün unter Dach?
In den Schaugewächshäusern von Planten un Blomen mitten in der Innenstadt und im botanischen Garten der Universität im Westen der Stadt. Beide zeigen tropische und subtropische Bestände in beheizten Häusern. Eine dritte Möglichkeit ist das Tropenhaus des Tierparks im Nordwesten.
Lohnt sich die Elbphilharmonie bei schlechtem Wetter?
Die öffentlich zugängliche Ebene zwischen Backsteinsockel und Glasaufbau hat einen umlaufenden Außengang, der bei Wind und Regen ungemütlich wird, und einen verglasten Innenbereich, der es nicht ist. Wer nur wegen der Aussicht kommt, sollte wissen, dass bei tiefer Wolkendecke wenig zu sehen ist.
Was funktioniert in Hamburg bei Regen nicht?
Alles am offenen Wasser: die Landungsbrücken, das Elbufer, der Fischmarkt im Freien und die Alsterrundfahrten auf offenen Booten. Dazu kommt der Wind, der Regenschirme in Ufernähe regelmäßig unbrauchbar macht. Eine wetterfeste Jacke mit Kapuze ist in Hamburg die praktischere Ausrüstung. Auch Aussichtspunkte lohnen bei tiefer Wolkendecke nicht, weil die Sicht über den Hafen dann ohnehin fehlt.